Architekturensemble · Ab dem 4. Jh. v. Chr.; Mausoleen überwiegend 12.–19. Jh.
Nekropole Misdachan
Ein Hügel voller Gräber westlich von Nukus, seit mehr als zweitausend Jahren Begräbnisstätte, von zoroastrischen Ossuarien bis zu mittelalterlichen Mausoleen. Die Legende verortet hier das Grab Adams und sagt, die Welt gehe unter, wenn ein bestimmtes Grabmal zerfällt.
Über den Ort
Misdachan liegt auf niedrigen Hügeln bei der Stadt Chodscheili, nahe der turkmenischen Grenze, etwa 20 Kilometer westlich von Nukus. Einst war es eine der größeren Städte Choresmiens: Mindestens seit dem 4. Jahrhundert v. Chr. wuchs hier eine Siedlung, mit einer Festung, Gjaur-Kala, auf dem benachbarten Hügel. Im Lauf der Jahrhunderte verfiel die Stadt, besonders nach den Feldzügen Timurs im späten 14. Jahrhundert, doch der Friedhof wurde nie aufgegeben. Er ist bis heute ein heiliger Ort, und einheimische Familien bestatten hier noch immer ihre Toten.
Schichten des Glaubens
Vor dem Islam folgten die Menschen Choresmiens zoroastrischen Riten: Sie setzten die Toten aus, damit Vögel sie reinigten, und bewahrten die Gebeine dann in Tonossuarien auf; viele davon wurden in Misdachan gefunden. Es folgten muslimische Gräber, und der Hügel füllte sich nach und nach mit Kuppelmausoleen, kleinen Moscheen und schlichten Lehmgräbern.
Die wichtigsten Monumente
- Das Mausoleum von Masslumchan Sulu, teils unterirdisch, mit feiner Glasurkachelarbeit, meist ins 14. Jahrhundert datiert. Eine Legende erzählt von einer Prinzessin und dem Architekten, den sie liebte
- Das Mausoleum von Schamun Nabi, ein langer, niedriger Bau mit einer Reihe von Kuppeln, der der Überlieferung nach das Grab eines Propheten von riesenhafter Gestalt birgt
- Das Mausoleum von Eresch Chalfa, eines der meistbesuchten Heiligtümer auf dem Hügel
- Die sogenannte „Weltuhr“, ein verfallener Bau, von dem der Legende nach jedes Jahr ein Ziegel fällt; fällt der letzte, geht die Welt unter. Pilger legen Ziegel nach, um das hinauszuzögern
Legenden
Der örtlichen Überlieferung nach ist Misdachan die Grabstätte Adams, und in der zoroastrischen Sage wird es mit Gayomart, dem ersten Menschen, verbunden. Das sind Überlieferungen, keine Geschichte, aber sie erklären die Ehrfurcht, mit der Besucher dem Ort begegnen.
Erleben
Gehen Sie langsam und respektvoll: Dies ist ein genutzter Friedhof. Kleiden Sie sich dezent und fotografieren Sie keine Trauernden. Das Licht des späten Nachmittags auf den Kuppeln ist wunderschön, und vom Hügel sieht man hinüber nach Gjaur-Kala.
Was Sie sehen sollten
- Das halb unterirdische Mausoleum von Masslumchan Sulu
- Das lange, vielkuppelige Mausoleum von Schamun Nabi
- Die „Weltuhr“ und der Brauch, Ziegel nachzulegen
- Blick über die Nekropole nach Gjaur-Kala
- Schichten zoroastrischer und islamischer Bestattung
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